Projekte

 

Lesesaal der Deutschen Bücherei zu Leipzig


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Wissenschaftliche Projekte zum Umbruch und Aufbruch 1918

Das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (SMWK) fördert bis zum Jahr 2020 vier Forschungsprojekte, die verschiedene Aspekte des Umbruchs von 1918 analysieren.  Ziel ist eine neue Perspektive, mit Fokus auf die Region und die Bevölkerung in den Grenzgebieten zwischen den Kulturen. Die Koordination untereinander verläuft mit Hilfe der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (SAW)


Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow

Das durch Horace M. Kallen (1882–1974) entwickelte innovative Konzept des kulturellen Pluralismus steht exemplarisch sowohl für den geistigen Umbruch, als auch für die langanhaltende und räumlich weit über Europa hinausreichende Wirksamkeit der Zäsur von 1918. Das Forschungsvorhaben untersucht die Übertragungen des während des Ersten Weltkriegs und in den unmittelbar darauffolgenden Jahren erarbeiteten Konzepts von Kallen in unterschiedliche Zeiträume amerikanisch-jüdischer Geschichte des 20. Jahrhunderts bis zum Anfang der 1970er Jahre. Wie Kallen dabei amerikanische protestantische Denktraditionen in seine Konzeption von Pluralismus überführte und mit amerikanisch-jüdischer historischer Erfahrung der Zwischenkriegszeit und während des Kalten Kriegs neu dachte, ist das zentrale Erkenntnisinteresse der Studie.


Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. 

Dresden war 1918 mit rund 530.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt Deutschlands. Das Projekt analysiert deren Genese zur Kinometropole und die Entstehung einer neuen Massenkultur. Dabei interessieren kinogeschichtliche Fragestellungen ebenso wie das Kino als Wirtschafts- und Innovationsfaktor und die zahlreichen Diskurse, die um den Stellenwert der Filmkunst geführt wurden. Visualisiert werden die Ergebnisse in einer Webseite, die unter Einbezug der Spielpläne in chronologischer Abfolge zeigt, wie der urbane Raum mit Lichtspielhäusern verdichtet wurde.


Sorbisches Institut

Als Umbruch und Aufbruch steht das Jahr 1918 symbolisch für eine Reihe von Entwicklungen, die politische Ordnungen zu Fall brachten und neue schuf. Die sorbische Geschichte als eine Geschichte einer nationalen Minderheit spiegelt im Besonderen die Verwerfungen der Neuordnung Europas nach 1918 wider. Das Projekt geht den historischen und aktuellen Entwicklungen der Debatte um die Verortung der Sorben in der Lausitz als natürlichen Raum nach und fragt, wie ihre Geschichte als Minderheit in die Landschaft eingeschrieben wird.


Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden

Das Forschungsvorhaben untersucht die miteinander verflochtenen Prozesse der Demokratisierung und Nationalisierung im Grenzraum des Dreiländerecks Deutschland – Polen – Tschechoslowakei in den Jahren 1918 bis 1923. Untersucht werden Kontinuitäten und Brüche des politischen und gesellschaftlichen Wandels vom Ende des Ersten Weltkriegs hin zur neuen post-imperialen Staatenordnung, wobei insbesondere ein Blick auf die Wechselbeziehung von lokalen und nationalstaatlichen Entwicklungen geworfen wird.