Massenkultur

Das Colosseum erhielt 1919 den Namen Vaterland-Lichtspiele


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Kino als neue Kultur für die Massen

Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde

Wie kein zweites Phänomen verkörpert das Kino jene Massenkultur, die in den Großstädten der Industriegesellschaften im frühen 20. Jahrhundert entstanden war: Es nutzt technische Innovationen, ist in Marktmechanismen eingebunden und besitzt egalitäre, partizipatorische Tendenzen, insofern es – soziale Schranken überschreitend – allen Menschen zugänglich ist. Gerade in gesellschaftlichen Umbruchsphasen liefert das Kino eine Bühne sowohl für Ablenkung als auch für Fluchten aus dem Alltag und für Belustigung – aber auch für die politische Sinngebung, nachdem es im Ersten Weltkrieg als Propagandamittel entdeckt worden war. Mit seinen „bewegten Bildern“ wirkt das Kino auf Verhaltensorientierungen zurück.

Seine Popularität zeigt sich nicht zuletzt darin, dass im Achsenjahr 1918 in Dresden zehn Kinos in täglichen Vorführungen um die Gunst des Publikums warben. Die großen unter ihnen, etwa das am 16. September 1916 eröffnete „Prinzess“ in der Prager Straße, wechselten die Spielpläne im Wochentakt. Im Ergebnis konnten die Dresdner im letzten Kriegsjahr mehr als 250 verschiedene Aufführungen besuchen. Im Interesse einer abwechslungsreichen Unterhaltung bestand ein solches Programm in der Frühzeit des Kinos – ähnlich wie beim Varieté – aus einer choreografisch durchdachten Abfolge verschiedener Beiträge: Kurze Musikstücke, dargeboten vom Kinoorchester, gehörten ebenso dazu wie die Wochenschau, weiterhin Humoresken, Detektiv- und Abenteuerfilme sowie Naturaufnahmen etwa vom Brenner oder der sächsischen Schweiz. Diese Stummfilme wurden dem Publikum von sog. Rezitatoren erklärt.


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