Pluralismus


Schrift Horace M. Kallens, Culture and Democracy in the United States, New York 1924



Pluralismuskonzeption Horace M. Kallens

Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur − Simon Dubnow

Der Philosoph Horace Kallen (1882–1974) hat seine pluralistische Idee in etwa dreißig Büchern und zahlreichen Aufsätzen bis zum Ende seines Lebens immer wieder neu durchdacht.  Sein Werk ist insofern besonders geeignet, um die ideengeschichtliche Kontinuität eines vor dem Zeithorizont des Ersten Weltkriegs entwickelten Konzepts zu untersuchen, das Kallen in neue historische Kontexte zu übertragen verstand.

Konzeptionen jüdischer politischer Denker um 1918 bezogen in besonderem Maße Erkenntnisse aus der diasporischen historischen Erfahrung der Juden ein, um etwa das Problem der Staatenlosigkeit zu adressieren oder auf die Schutzbedürftigkeit von Minderheiten innerhalb von Nationalstaaten hinzuweisen. So trat auch Kallen in seiner 1918 publizierten Schrift „The Structure of Lasting Peace“ für kulturelle nationale Selbstverständnisse innerhalb von multinationalen Staaten ein.

Hierauf aufbauend verwies Kallen in „Zionism and World Politics“ von 1921 auf einen jüdischen Nationalismus als Vorbild im Aufbau einer demokratischen Föderation unterschiedlicher Nationen zur Verwirklichung der Ideen biblischer Propheten. Analog hatte Kallen mit Blick auf die Vereinigten Staaten unter dem Begriff Cultural Pluralism für die harmonische politische Kooperation unterschiedlicher Nationalitäten in ihrer jeweiligen kulturellen Eigenständigkeit plädiert.

An dieses Konzept und seine folgenden kunst- und religionsphilosophischen Arbeiten anknüpfend, hat Kallen in den 1950er Jahren Pluralismus – nunmehr unter dem Begriff „Secularism“ – als die amerikanische Idee schlechthin präsentiert und als die allen religiösen und kulturellen Gruppen gemeinsame Religion Amerikas. Diese nur könne das gleiche Recht aller auf Verschiedenheit sichern und zugleich die Einheit Amerikas in der Vielfalt.