10.05.19 // „Die Neuordnung Europas 1919 und die Lausitzer Sorben“ // Buchvorstellung und Podiumsdiskussion

Buchvorstellung und Podiumsdiskussion mit Annett Bresan, Clemens Heitmann, René Küpper, Mike Schmeitzner und Jana Piňosová (Moderation).

Vor hundert Jahren wurde Europa durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges politisch neu geordnet. Anlass waren die verheerenden Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und entsprechend hoch waren die allgemeinen Erwartungen an eine neue, friedensstiftende Ordnung. Durchaus überraschend wurden auch die Lausitzer Sorben zum Gegenstand der Pariser Friedenskonferenz, welche die neue Ordnung für ganz Europa verhandeln sollte. Als im Januar 1919 die Mitglieder des „Wendischen Nationalausschusses“ (Serbski Narodny Wuběrk) einen selbständigen sorbischen Staat forderten, arbeitete die tschechoslowakische Friedensdelegation bereits eifrig an einer entsprechenden Denkschrift zur Frage der Lausitzer Sorben, die sie einige Wochen später der Friedenskonferenz vorlegte. Dieses in Paris kaum beachtete und letzten Endes erfolglose Unternehmen wurde durch die Reaktion in Sachsen dennoch zu einem historischen Ereignis von überregionaler. Bedeutung.

Die Situation in Sachsen während der Zwischenkriegszeit schildert der jüngst erschienene Sammelband „Der gespaltene Freistaat. Neue Perspektiven auf die sächsische Geschichte 1918-1933“, den einer der Herausgeber Mike Schmeitzner vorstellen wird. Im Mittelpunkt stehen wird dabei die angespannte Situation zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Gründung des Freistaates Sachsen, als die Kämpfe zwischen tschechoslowakischen und deutschböhmischen Verbänden auf Sachsen überzugreifen drohten und sächsische Militärs eine tschechoslowakische Intervention in der Lausitz fürchteten. Die anschließende Podiumsdiskussion widmet sich dann der sorbischen Autonomiebewegung von 1919. Vier Historiker berichten aus unterschiedlichen Perspektiven über die Ereignisse, die Rolle der Frage der Lausitzer Sorben in der tschechoslowakischen Diplomatie, die Reaktionen in Sachsen und im Deutschen Reich sowie die Entscheidungen der Siegermächte auf der Pariser Friedenskonferenz. Dabei diskutieren sie, wieso keine der damaligen Ideen – Vereinigung der sächsischen mit der preußischen Lausitz, tschechoslowakische Intervention und Einbeziehung der Lausitzen in die Tschechoslowakei, selbständiger sorbischer Staat oder sorbische Autonomie innerhalb Preußens – verwirklicht wurde.

Die Neuordnung Europas 1919 und die Lausitzer Sorben

10. Mai 2019

18:00 Uhr

Serbski dom – Haus der Sorben, Postplatz 2, 02625 Bautzen

Es diskutieren:

Dr. Annett Bresan, Historikerin und Archivarin, Leiterin des Sorbischen Kulturarchivs am Sorbischen Institut

Dr. Clemens Heitmann, Historiker und Archivar, Leiter des Projekts „Digitales Archivportal zur Geschichte der Sorben 1918-1945“ am Sorbischen Institut

Dr. René Küpper, Historiker, Kurator im Ausstellungsteam der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin

Prof. Dr. Mike Schmeitzner, Historiker am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, außerplanmäßiger Professor an der TU Dresden

Moderation:

Dr. Jana Piňosová, Historikerin, Leiterin des Projekts „Sorbische Lausitz – (T)Räume einer nationalen Minderheit von 1918 bis heute“ am Sorbischen Institut

Eintritt frei.

Um eine formlose Anmeldung bis zum 8. Mai 2019 unter 1918@serbski-institut.de wird gebeten.

Diese Veranstaltung wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

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